Hintergrund
Viele Frauen zwischen 45 und 50 Jahren kennen das Problem: Die Regelblutungen werden unregelmäßig, häufiger, stärker oder dauern länger an. Ursache sind meist hormonelle Veränderungen in den Jahren vor den Wechseljahren (Perimenopause). Der Eisprung bleibt zunehmend aus, das Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron verschiebt sich – und die Gebärmutterschleimhaut baut sich übermäßig auf. Die Folge: verstärkte, verlängerte oder unvorhersehbare Blutungen, die den Alltag erheblich beeinträchtigen können.
Wenn hormonelle Behandlungen (z. B. Gestagene, Hormonspirale, Pille) nicht ausreichend wirken oder nicht vertragen werden, muss nicht gleich die Gebärmutter entfernt werden. Die Endometriumablation – die Verödung oder Abtragung der Gebärmutterschleimhaut – ist ein bewährtes, schonendes Verfahren, das gerade in dieser Altersgruppe besonders gute Ergebnisse zeigt.
Was ist eine Endometriumablation?
Bei der Endometriumablation wird die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) gezielt zerstört oder abgetragen, sodass sie sich nicht mehr oder nur noch sehr dünn aufbauen kann. Dadurch bessern sich sowohl die Stärke als auch die Unregelmäßigkeit der Blutungen deutlich – oder die Blutungen verschwinden ganz. Es stehen verschiedene bewährte Verfahren zur Verfügung, die wir je nach individueller Situation einsetzen.
Welche Verfahren gibt es?
In unserer Praxis bieten wir zwei Verfahren an:
Hysteroskopische Endometriumresektion (Resektoskopie)
Bei diesem Verfahren wird über den Muttermund ein dünnes Instrument (Resektoskop) mit Kamera und elektrischer Schlinge in die Gebärmutter eingeführt. Die Schleimhaut wird unter direkter Sicht schichtweise abgetragen. Der Eingriff dauert ca. 20–30 Minuten.
Vorteile:
– Maßgeschneidert statt konfektioniert: Die Behandlung wird exakt an die individuelle Gebärmutterhöhle angepasst – auch bei unregelmäßiger Form, Fehlbildungen oder Anomalien des Cavums.
– Polypen, kleine Myome (Muskelknoten) oder andere Auffälligkeiten können gleichzeitig behandelt werden.
– Das abgetragene Gewebe wird feingeweblich untersucht – ein zusätzlicher Sicherheitsvorteil.
– Volle Sichtkontrolle während des gesamten Eingriffs.
NovaSure (Goldnetz-Verfahren)
Beim NovaSure-Verfahren wird ein fächerförmiges Netz (daher der Name „Goldnetz“) über den Muttermund in die Gebärmutterhöhle eingeführt und entfaltet sich dort. Über kurze Radiofrequenzenergie wird die Schleimhaut in nur 60–90 Sekunden verödet. Das Gerät berechnet die benötigte Energie automatisch und schaltet sich selbstständig ab.
Vorteile:
– Sehr kurze Behandlungszeit: Die eigentliche Verödung dauert nur ca. 90 Sekunden.
– Einfach und standardisiert: Das Gerät passt sich automatisch an.
– Gut geeignet bei normal geformter Gebärmutterhöhle.
Welches Verfahren im Einzelfall am besten geeignet ist, besprechen wir gemeinsam im Aufklärungsgespräch. Die Wahl hängt unter anderem von der Form und Größe der Gebärmutterhöhle, eventuellen Begleitbefunden (Polypen, Myome) und der individuellen Situation ab.
Warum gerade bei Frauen zwischen 45 und 50?
Die Endometriumablation ist besonders gut geeignet für Frauen in der Perimenopause:
– Die Familienplanung ist in der Regel abgeschlossen – eine wichtige Voraussetzung für den Eingriff.
– Frauen über 40–45 haben die besten Langzeitergebnisse: Da die natürlichen Wechseljahre in absehbarer Zeit eintreten, muss das Ergebnis nur noch wenige Jahre „halten“. Das Risiko einer späteren Gebärmutterentfernung ist in dieser Altersgruppe deutlich geringer als bei jüngeren Frauen.
– Die Blutungsstörungen in diesem Alter – sowohl die Unregelmäßigkeit als auch die Stärke der Blutungen – sind meist hormonell bedingt (anovulatorische Zyklen, Östrogendominanz) – genau die Situation, in der die Ablation am besten wirkt.
– Der Eingriff kann eine Brücke bis zu den Wechseljahren sein und eine größere Operation vermeiden.
Für wen ist die Behandlung geeignet?
– Frauen mit unregelmäßigen und/oder zu starken Blutungen in der Perimenopause, bei denen hormonelle Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben oder nicht vertragen werden
– Die Familienplanung muss abgeschlossen sein
– Vor dem Eingriff muss eine bösartige Veränderung der Gebärmutterschleimhaut ausgeschlossen werden (Gewebeprobe und Ultraschall)
Wann ist die Behandlung nicht geeignet?
– Bei bestehendem oder geplantem Kinderwunsch
– Bei Verdacht auf oder nachgewiesene bösartige Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut
– Bei sehr großen Myomen, die die Gebärmutterhöhle stark verformen
– Bei aktiven Infektionen im Beckenbereich
– Nach den Wechseljahren
Wie läuft der Eingriff ab?
– Die Behandlung erfolgt ambulant unter Kurznarkose oder Vollnarkose.
– Je nach Verfahren dauert der Eingriff zwischen wenigen Minuten (NovaSure) und ca. 20–30 Minuten (Resektoskopie).
– Die meisten Frauen können noch am selben Tag nach Hause gehen.
– Die Rückkehr zu normalen Alltagsaktivitäten ist in der Regel nach wenigen Tagen möglich.
– In den ersten Tagen nach dem Eingriff kann es zu leichten Unterleibskrämpfen und wässrigem oder leicht blutigem Ausfluss kommen.
Wie gut wirkt die Behandlung?
Die Ergebnisse der Endometriumablation sind durch zahlreiche Studien mit Langzeitnachbeobachtung gut belegt – unabhängig vom gewählten Verfahren:
– 85–90 % der Frauen berichten über eine deutliche Besserung – die Blutungen werden wesentlich schwächer, regelmäßiger oder hören ganz auf.
– Ca. 36–64 % der Frauen haben nach dem Eingriff gar keine Regelblutung mehr.
– Etwa 88–90 % der Frauen sind mit dem Ergebnis zufrieden oder sehr zufrieden.
– Bei Frauen über 45 Jahren sind die Ergebnisse besonders gut, da die natürlichen Wechseljahre den Effekt der Ablation unterstützen.
Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?
Die Endometriumablation ist ein risikoarmer Eingriff. Komplikationen sind selten:
– Unterleibskrämpfe und Ausfluss in den ersten Tagen bis Wochen: häufig, klingen von selbst ab
– Gebärmutterverletzung (Perforation): selten (ca. 1–2 %)
– Flüssigkeitsaufnahme (Einschwemmung): bei der Resektoskopie kann die Spülflüssigkeit in seltenen Fällen in den Kreislauf aufgenommen werden. Dies wird während der Operation kontinuierlich überwacht.
– Infektion: selten
– Blutansammlung in der Gebärmutter (Hämatometra): selten
– Notwendigkeit einer späteren Gebärmutterentfernung: In etwa 12–20 % der Fälle im Langzeitverlauf, meist wegen erneuter Blutungsbeschwerden. Bei Frauen über 45 ist dieses Risiko deutlich geringer.
Endometriumablation oder Gebärmutterentfernung?
Beide Verfahren sind wirksam, unterscheiden sich aber deutlich:
– Die Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) beendet die Blutung zu 100 %, ist aber ein größerer Eingriff mit einer Erholungszeit von ca. 2 Wochen und den Risiken einer größeren Operation.
– Die Endometriumablation ist deutlich schonender, hat eine kürzere Erholungszeit und weniger Komplikationen. Gerade bei Frauen zwischen 45 und 50 dient sie oft als Brücke bis zu den Wechseljahren und kann eine Gebärmutterentfernung in vielen Fällen vermeiden.
Wichtige Hinweise
– Die Endometriumablation ist eine Kassenleistung.
– Nach dem Eingriff ist eine sichere Verhütung weiterhin notwendig, da die Ablation keine Verhütungsmethode ist.
– Die Endometriumresektion (Resektoskopie) liefert Gewebeproben zur feingeweblichen Untersuchung – gerade bei Frauen in der Perimenopause, bei denen eine Schleimhautbeurteilung besonders wichtig ist, ein relevanter Vorteil.
Für eine individuelle Beratung – auch zur Wahl des für Sie am besten geeigneten Verfahrens – vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer Praxis.
