Was passiert mit den Eierstöcken bei einer Gebärmutterentfernung?

Warum ist dieses Thema wichtig?

Wenn eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) geplant ist, stellt sich eine wichtige Frage: Was soll mit den Eierstöcken und Eileitern geschehen?

Diese Entscheidung hat langfristige Auswirkungen auf Ihre Gesundheit. Deshalb möchten wir Sie hier umfassend informieren, damit wir gemeinsam die beste Lösung für Sie finden.

Was machen Eierstöcke und Eileiter?

Eierstöcke produzieren Hormone – vor allem Östrogen, Progesteron und Testosteron. Diese Hormone sind wichtig für:

– Knochengesundheit

– Herz-Kreislauf-Gesundheit

– Sexuelles Wohlbefinden und Libido

– Allgemeines körperliches und seelisches Wohlbefinden

Auch nach den Wechseljahren produzieren die Eierstöcke noch für einige Jahre das Hormon Testosteron. Erst etwa 10 Jahre nach der letzten Regelblutung lässt diese Produktion deutlich nach.

Eileiter haben nach abgeschlossener Familienplanung keine Funktion mehr. Allerdings weiß man heute, dass die meisten Fälle von Eierstockkrebs tatsächlich im Eileiter entstehen.

Was empfehlen wir?

Eileiter: Immer entfernen

Wir empfehlen bei jeder Gebärmutterentfernung, die Eileiter mit zu entfernen (sogenannte Salpingektomie). Das ist ein kleiner zusätzlicher Eingriff, der:

– das Risiko für Eierstockkrebs deutlich senkt (um ca. 40–80 %)

– die Funktion der Eierstöcke nicht beeinträchtigt

– die Operation nicht wesentlich verlängert

– keine zusätzlichen Risiken mit sich bringt

Diese Empfehlung wird von allen großen Fachgesellschaften geteilt.

Eierstöcke: Das hängt von Ihrer persönlichen Situation ab

Die Entscheidung, ob die Eierstöcke belassen oder entfernt werden, hängt vor allem davon ab, wie lange Ihre Wechseljahre bereits zurückliegen.

Wenn Ihre letzte Regelblutung weniger als 10 Jahre her ist (oft im Alter von 50–60 Jahren):

In dieser Phase produzieren Ihre Eierstöcke noch Hormone, die für Ihren Körper nützlich sind. Viele Frauen nehmen nach den Wechseljahren ohnehin eine Hormonersatztherapie ein, um Beschwerden zu lindern und die Gesundheit zu schützen. Werden die Eierstöcke in dieser Phase entfernt, geht jedoch auch die körpereigene Testosteronproduktion verloren – und Testosteron kann durch eine übliche Hormonersatztherapie nicht ohne Weiteres ersetzt werden.

Studien zeigen, dass Frauen, denen in dieser Phase die Eierstöcke entfernt werden:

– ein etwas höheres Risiko für Bluthochdruck und Diabetes entwickeln können

– langfristig Einschränkungen im sexuellen Wohlbefinden erleben können – auch trotz Hormonersatztherapie

Deshalb empfehlen wir in dieser Phase in der Regel, die Eierstöcke zu belassen und nur die Eileiter zu entfernen. Damit wird das Eierstockkrebsrisiko bereits deutlich gesenkt, ohne dass Sie auf die schützende Hormonwirkung Ihrer Eierstöcke verzichten müssen.

Wenn Ihre letzte Regelblutung mehr als 10 Jahre her ist (oft ab dem Alter von 65 Jahren):

In dieser Phase produzieren die Eierstöcke praktisch keine Hormone mehr. Der Nutzen des Erhalts ist daher gering, während die Entfernung das Risiko für Eierstockkrebs weiter senkt. Wir empfehlen in dieser Phase, die Eierstöcke mit zu entfernen.

Sonderfall: Erbliches Risiko

Wenn in Ihrer Familie gehäuft Eierstock- oder Brustkrebs aufgetreten ist oder bei Ihnen eine genetische Veranlagung (z. B. BRCA1/2-Mutation oder Lynch-Syndrom) bekannt ist, empfehlen wir die Entfernung der Eierstöcke unabhängig vom Alter. Sprechen Sie uns darauf an – wir beraten Sie gerne und können gegebenenfalls eine genetische Beratung veranlassen.

Wie hoch ist das Eierstockkrebsrisiko überhaupt?

Das Lebenszeitrisiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, liegt bei etwa 1,3 % (also etwa 1 von 80 Frauen). Durch die Entfernung der Eileiter allein wird dieses Risiko bereits erheblich gesenkt. Die zusätzliche Entfernung der Eierstöcke senkt es nochmals, muss aber gegen die oben genannten Nachteile abgewogen werden.

Zusammenfassung

Ihre Situation Eileiter Eierstöcke Unsere Empfehlung
Wechseljahre < 10 Jahre her Entfernung Belassen Eileiter entfernen, Eierstöcke erhalten
Wechseljahre ≥ 10 Jahre her Entfernung Entfernung Beides entfernen
Erbliches Risiko (z. B. BRCA) Entfernung Entfernung Beides entfernen

Unser Vorgehen

Vor jeder Gebärmutterentfernung besprechen wir mit Ihnen persönlich, welche Lösung für Sie die beste ist. Dabei berücksichtigen wir:

– Ihr Alter und wie lange die Wechseljahre zurückliegen

– Ihre Familiengeschichte

– Ihre persönlichen Wünsche und Prioritäten

– Eventuelle Vorerkrankungen

Die Entscheidung treffen wir gemeinsam mit Ihnen.

 

 

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